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Chronik 1946 - 1959

Als sich die Lage nach der erfolgten Währungsreform im Jahre 1948 nach und nach wieder etwas normalisierte, war der Wunsch der Bevölkerung mehr als verständlich, nach den Jahren der Entbehrung, sich nun wieder den Freuden des Lebens ein wenig mehr  zuzuwenden. Man erinnerte sich der schönen vielen Feste, die man vor dem Krieg innerhalb des Schützenvereins feiern konnte. Es wurden deshalb  immer mehr Stimmen laut, diese so bald wie möglich in alter Tradition  fortzusetzen.

Den Bemühungen unseres Schützenbruders Josef Meteling, der bereits in den Jahren 1938/39 als 1. Vorsitzender den  Verein geführt hatte, ist es zu danken, dass schon bald die  Voraussetzungen hierzu geschaffen werden konnten. Am 9. Januar 1949 wurde von dem zuständigen Kreis Resident Offizier E.M. Dobbs der britischen Besatzungsbehörde, der Schützenverein Morssenhook unter Vorbehalt eventueller künftiger Gesetzgebung genehmigt, allerdings mit der ausdrücklichen Auflage, auf etwaige militärische Gebräuche, Titel, Uniformen usw. in jeglicher Form zu verzichten, Dagegen hatte natürlich  niemand etwas einzuwenden, denn in der Hauptsache ging es doch erst einmal darum, das Vereinsleben wieder in Gang zu bringen.

Die  Weichen für die Arbeit zu diesem neuen Beginn wurden dann entgültig auf einer Versammlung gestellt, die am 7. Mai 1949 stattfand. Wichtigster  Punkt der Tagesordnung war hierbei natürlich die Bildung eines neuen  Vorstandes, um die notwendige Geschäftfähigkeit nach innen und aussen zu  gewährleisten. Für diese schwierige Aufgabe wurden von den Anwesenden die folgenden Schützenbrüder auserwählt:

Josef Meteling (1. Vorsitzender), Wilhelm Kormann (2. Vorsitzender)
Johann Schleuter (1. Schriftführer), Wilhelm Paus (2. Schriftführer)
Heinrich Nienhaus (1. Kassierer), Josef Wissen (2. Kassierer)
Josef Kamps (Beisitzer), August Giesbers (Beisitzer). Heinrich Hülsken (Beisitzer).

Diese Vorstandsmitglieder wurden zunächst vorrangig damit beauftragt,  das Interesse der Bevölkerung aus dem Bereich Morssenhook für den Verein zu wecken und somit neue Mitglieder zu gewinnen. Der Erfolg blieb zur Freude aller nicht aus, denn am Ende diesen Jahres war die anfängliche  Zahl 89 bereits auf ansehnliche 151 geklettert.

Auch ein Schützenfest wurde in diesem Jahr bereits wieder auf die Beine gebracht  und fand zum Erstaunen aller schon nach einigen Wochen, am 28. und 29. Mai, statt. Vieles musste hierbei selbstverständlich noch improvisiert werden, denn ausser der allgemeinen Begeisterung war ja so gut wie nichts zur Gestaltung eines solchen Festes vorhanden. Das vereinseigene  Kleinkalibergewehr zum Vogelschiessen musste 1945 der Militärregierung  ausgehändigt werden und war später natürlich nicht mehr auffindbar. Man behalf sich deshalb mit einer alten Armbrust, mit der dann beim  Vereinlokal ‘Mussumer Krug’ auf einen aus einer Runkelrübe primitiv zurecht gemachten Vogel fleissig ‘geballert’ wurde.

Die Königskette hatte die Kriegswirren glücklicherweise ohne jede Beschädigung überstanden. Hierfür müssen wir uns bei unserem Schützenbruder Heinrich Tekaat bedanken, der es verstand, ein sicheres Versteck zu finden und dieses wertvolle Stück  somit allen fremden Zugriffen zu entziehen.
Für die abendlichen  Tanzveranstaltungen stellte der damalige Bürgermeister der Gemeinde  Mussum, Johann Krasenbrink (Stubenborg) freundlicherweise die Diele seines Gehöfts zur Verfügung. In Bezug auf Getränke, Verpflegung und  Tabakwaren war jeder einzelne sozusagen sein eigener Wirt. ‘Dünnbier’, ‘Balkenbrand’, ‘Buna-Schnaps’ und ‘Eigenverbau’ machten fleissig die Runde und sorgten so trotz allem für eine prima Stimmung. Wenn aus dem  anschliessend verfassten Protokoll hervorgeht, dass dieses eines der  schönsten Schützenfeste war, was jemals gefeiert wurde, trifft dieses unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse sicherlich zu.

Als man auf der ersten ordentlichen  Generalversammlung im Januar 1950 ein Fazit zog, konnte mit Zufriedenheit festgestellt werden, dass der erste Schritt in eine neue Zukunft des Schützenvereins Morssenhook gelungen war. Man war sich zwar  darüber im Klaren, dass auch in diesem Jahr noch vieles behelfsmässig  über die Bühne gehen musste, der Optimismus war jedoch sehr gross und es  wurden bereits die verschiedensten Pläne geschmiedet.

Thron 1950Im Juni diesen Jahres wurde das Schützenfest gefeiert, und zwar noch unter ähnlichen Bedingungen wie im Jahr davor.
Der Saal der ‘Mussumer Mühle’ stand noch nicht wieder zur Verfügung, da dort die Kirche eine notdürftige Unterkunft gefunden hatte. Man war  deshalb dankbar, auf das neuerliche Angebot von Bürgermeister Krasenbrink zurückgreifen zu können. Besonders erwähnenswert von diesem Fest ist, dass wieder ein bereits stattlicher Festumzug durch die  Gemeinde unter den Klängen der Kapelle Giessing durchgeführt wurde. Zum Krönungsball war eine Abordnung des Schützenvereins aus Mussum  erschienen. Dieser Besuch wurde von unserem Vorstand beim Mussumer  Schützenfest erwidert. Diese gegenseitigen Besuche wurden von da an jährlich wiederholt und entwickelten sich zu einer schönen Tradition,  die bekanntlich bis heute andauert und sicherlich auch künftig fortgeführt wird.

Im Jahre 1951 konnten dann bereits einige  vorher ins Auge gefassten Vorhaben verwirklicht werden, die es wert sind, hier besonders erwähnt zu werden. Als erstes wurde beschlossen, die traditionelle Fastnachtsfeier wieder durchzuführen.
Dann wurde in diesem Jahr der von allen Seiten begrüsste Kirchgang, verbunden mit einer Kranzniederlegung am Ehrenmal und einem Seelenamt für die  verstorbenen Mitglieder, erstmalig durchgeführt und war dann viele Jahre ein fester Bestandteil innerhalb unseres Vereinslebens. Das anschliessende gemütliche Beisammensein bildete gleichzeitig den jeweiligen Abschluss der Festsaison.

Das Schützenfest konnte in diesem Jahr endlich wieder in der ‘Mussumer Mühle’ gefeiert werden und  erhielt dadurch einen wesentlich besseren Rahmen. Für das Vogelschiessen  war ein neues Kleinkalibergewehr erworben worden. Mit Erich Schleuter,  knapp 18 Jahre alt, bestieg einer der jüngsten Könige der  Vereinsgeschichte den Thron.

Ein sehr bedeutendes Ereignis in diesem Jahr war zweifelsohne die Gründung des Spielmannszuges, der den Mitgliedern, nach fleissigem Üben unter der Leitung des Schützenbruders Heinrich Nienhaus, schon nach kurzer Zeit die ersten Proben seines Könnens vortragen konnte. Über die gezeigten Leistungen waren schon  jetzt alle überrascht. In der Zwischenzeit wurde dieser Spielmannszug bekanntlich zu einem wahren Meister seines Fachs und hat erheblich dazu beigetragen, das Ansehen unseres Vereins in der Öffentlichkeit zu heben  und den Morssenhook weit über die Grenzen unserer engeren Heimat bekannt zu machen.

In den nun folgenden Jahren, in denen einige unserer heutigen Mitglieder bereits aktiv oder passiv dabei waren, nahmen die Dinge ihren natürlichen Lauf. Die Feste wurden gefeiert wie  sie fielen und erfreuten sich immer grösserer Beliebtheit, nicht nur bei  der Bevölkerung im hiesigen Raum. Für die Vereinsführung war dieses eine Anerkennung für die geleistete Arbeit, die man nicht ohne Stolz  hinnahm, bedeutete aber gleichzeitig auch wieder neuen Ansporn für die  weiter gesteckten Ziele.

Ab 1952 fand das Vogelschiessen auf dem Gehöft unseres Schützenbruders Bernhard Nakotte statt, und zwar auf  vielfachen Wunsch bereits wieder am Samstagmorgen. Angetreten wurde um 8.00 Uhr beim Vereinslokal ‘Mussumer Krug’. Das bisher übliche Kränzchen für die Königin wurde durch ein neu gekauftes Diadem ersetzt. Beim Schützenfest 1953 wurde der Parademarsch zum ersten Mal von unserem  Spielmannszug mitgestaltet.

Im Jahre 1954 wurde im Sommer, neben Schützenfest und Kirchgang, auch wieder die schon früher übliche Schützenfest-Nachfeier mit Musik und Tanz in der ‘Mussumer Mühle’ veranstaltet. Diese fand allgemein grossen Anklang und wurde deshalb auch in den kommenden Jahren wiederholt.

Der Kirchgang fand jetzt wie auch später unter Beteiligung des ‘MGV Sängerlust’ statt und wurde durch einige Gesangsbeiträge in seinem festlichen Rahmen erweitert.

Die Generalversammlung 1955 beschloss, dass Schützenbrüder, die aus dem Morssenhook ausgezogen waren, zwar Mitglieder bleiben konnten, Neuaufnahmen aus anderen Bezirken, und dieses betraf auch die Söhne  jener, waren jedoch nicht zulässig. Ferner wurde auf dieser Versammlung  angeregt, ein zweites Gewehr anzuschaffen, um einen besseren Ablauf beim Vogelschiessen zu garantieren.

Im Jahre 1956 wurden vom Vorstand die alten Satzungen aus dem Jahre 1924 als unzureichend befunden, deshalb überarbeitet und von der Generalversammlung akzeptiert. Ferner wurde vorgeschlagen und allgemein begrüsst, dass zur  Verschönerung des Bildes unseres Schützenfestumzuges alle Schützenbrüder mit einem geschmückten Stock antreten.

Die Finanzlage im Jahre 1957 erlaubte es,  eine neue Kette für die Königin sowie ein Fahnenträgerschild zu erwerben und die Spielleute mit neuen Uniformen auszustatten.

Als  wichtige und bleibende Einrichtung wurde in diesem Jahr die Sterbekasse gegründet, aus der den Hinterbliebenen beim Tod eines Mitgliedes ein bestimmter Betrag zugewendet wird. Der Jahresbeitrag von 2,-- DM wurde  auf 4,-- DM erhöht, und zwar in erster Linie deshalb, weil auf vielfachen Wunsch der Samstag beim Schützenfest nunmehr ausschliesslich den Mitgliedern und ihren Angehörigen vorbehalten wurde und somit ein  Ausgleich für die zu erwartenden Mindereinnahmen geschaffen werden  musste. Mit 206 Mitgliedern wurde in diesem Jahr eine neue Schallmauer  durchbrochen.

1958 wurden zwei nennenswerte Beschlüsse gefasst, die dazu beitragen sollten, eine höhere Teilnahme bei den Festumzügen zu erreichen und diese ausserdem optisch besser zu gestalten. Mitglieder, die den Marsch durch die Gemeinde bis zum Festlokal in Mussum  mitmachten, wurden von der Bezahlung des Eintrittsgeldes befreit. Ausserdem wurden alle dazu verpflichtet, sich innerhalb eines Jahres einen neuen Schützenhut zu kaufen.

Beim Vogelschiessen musste erstmalig, aufgrund einer Verfügung durch das Ordnungsamt, ein Kugelfang vorhanden sein. Die Schützenfest-Nachfeier fand zum letzten Mal statt, da die Beteiligung leider zu wünschen übrig liess und die Kosten somit  nicht mehr gedeckt werden konnten.

Im Jahre 1959 konnten der Öffentlichkeit tatsächlich bereits die neuen Schützenhüte vorgeführt werden. Dieses  geschah zunächst einmal bei unserem Schützenfest und später in einem  weitaus grösserem Rahmen bei einem Festumzug durch die Stadt Bocholt, der vom St. Antonius Schützenverein anlässlich seines 325-jährigen  Jubelfestes durchgeführt wurde. Zu diesem Umzug war neben Königspaar,  Vorstand und Spielmannszug eine erfreulich grosse Anzahl Schützen erschienen, so dass unser Verein den zahlreichen Zuschauern ein wirklich stattliches Bild bot und den besten Eindruck hinterliess. Als Belohnung wurde anschliessend im Hotel Bleckmann (Bernhard Schmeink) ein Fass  Freibier ausgeschenkt. Dem St. Antonius Schützenverein wurde von unserem Vorsitzenden als Andenken eine Fahnennadel überreicht.

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